Frauenfußball: Let’s Get Loud!

Im Vergleich zu den Herren, die ihre erste Weltmeisterschaft bereits 1930 ausspielen durften, ist das Turnier der Damen eine noch relativ junge Veranstaltung. Ihre WM-Premiere feierten sie erst 1991, dabei spielten Frauen zu diesem Zeitpunkt schon seit fast einem Jahrhundert Fußball.

Gewöhnlich gilt ja England als Mutterland des Herrenfußballs, doch auch der Frauenfußball hat dort seinen Ursprung. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin gründeten sich dort die ersten Damen-Mannschaften. Am berühmtesten waren die von Nettie Honeyball angeführten „British Ladies“, deren Spiele damals bis zu 10.000 Zuschauer ins Stadion lockten. Dem englischen Verband passte diese Begeisterung jedoch so gar nicht, so dass es männlichen Mannschaften ab 1902 verboten war, gegen Frauenmannschaften anzutreten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfuhr der Frauenfußball jedoch einen regelrechten Aufschwung. Männer fehlten an allen Ecken und Enden, weshalb Frauen in gesellschaftliche Bereiche vorstoßen konnten, die vorher für sie tabu waren. Dazu gehörte neben der Erwerbstätigkeit auch der Fußball. Vor allem als Ablenkung im Arbeitsalltag beliebt, entstand eine Reihe von weiblichen Werksmannschaften. Eines dieser Teams, die „Dick Kerr’s Ladies“, galt sogar als inoffizielle Nationalmannschaft Englands.

Frauenfußball: unästhetisch, wesensfremd und unladylike

1921 war der englische Frauenfußball an seinem Höhepunkt angelangt. Fußballerinnen spielten in rund 150 reinen Frauenmannschaften und gründeten sogar die „English Ladies Football Association“. Dies konnte den überraschend schnellen Zerfall des organisierten Frauenfußballs in England allerdings auch nicht aufhalten. Essentielle Voraussetzungen wie die Erwerbstätigkeit von Frauen und die damit zusammenhängende Förderung durch Firmen sowie Spielmöglichkeiten verloren immer mehr an Bedeutung, so dass das Zuschauerinteresse und damit auch das Ansehen des Frauenfußballs sank. Noch im selben Jahr fasste der von Männern dominierte, englische Verband einen radikalen Entschluss: im Oktober 1921 wurde Frauenfußball in ganz England komplett verboten. Als Grund führte man unter anderem an, dass Fußball einfach nicht geeignet sei für Frauen. Er sei in seiner Art zu roh, Fußball spielende Frauen sähen zudem unästhetisch aus. Außerdem berge Fußball eine zu hohe Verletzungsgefahr.

In Deutschland blieb der Frauenfußballboom nach dem Ersten Weltkrieg aus. Erst im Jahr 1930 gründete sich in Frankfurt der erste „Damen-Fußball-Club“. Die Zeit des Nationalsozialismus im Deutschland der 1930er und 1940er Jahre führte jedoch dazu, dass Frauenfußball ein Schattendasein fristete. Fußball spielende Frauen passten nicht in das vorherrschende Rollenbild, welches sich auf das Bild der Frau als Mutter beschränkte. Der Triumph der deutschen Herren-Nationalmannschaft bei der WM 1954 sorgte zwar für einen kleinen Aufschwung des Frauenfußballs hierzulande, wurde aber wieder direkt durch den DFB gebremst. Diesmal war es der DFB, der ein Verbot des Frauenfußballs aussprach.

“Das Fußballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. […] Es ist noch nie gelungen, Frauen Fußball spielen zu lassen. […] Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich!” (Fred J. J. Buytendijk, Anthropologe, in einer Studie von 1953)

Fußball sei für Frauen wesensfremd, führte der DFB als Begründung für ein Verbot an. Sie seien im Gegensatz zu den Männern charakterlich nicht geeignet für das Fußballspielen. Genauso wie die Engländer argumentierte der DFB auch mit der Gesundheitsgefährdung der Frau.

Widerstand gegen den DFB

Die Fußballerinnen in Deutschland wollten sich mit einem Verbot ihrer Lieblingssportart jedoch nicht abfinden, weshalb in den 1960er Jahren trotz allem eine Reihe von Vereinen und Verbänden gegründet wurden. Dies führte zu einer Aufhebung des Frauenfußball-Verbots im Oktober 1970 durch den DFB. Zwar durften jetzt alle Vereine wieder eine Frauen-Fußballabteilung haben und den Spielbetrieb aufnehmen. Dass der DFB die Fußballerinnen aber immer noch nicht ernst nahm beziehungsweise ihnen die „rohe“ Sportart Fußball nicht zutraute, zeigen die irrwitzigen Regeln, innerhalb derer Frauen-fußballspiele ausgerichtet werden mussten: eine Halbzeit betrug nur dreißig Minuten, die Spiele durften aber sowieso nur bei guten Wetter und niemals in den Wintermonaten ausgetragen werden. Außerdem waren Jugendbälle Pflicht. Anfänglich wollte der DFB auch noch einen Brustschutz durchsetzen, scheiterte aber am Widerstand der Spielerinnen. Stattdessen mussten die Fußballerinnen auf Stollenschuhe verzichten.

Emanzipation des Frauenfußballs weltweit

Trotz des ganzen Spotts und der blöden Sprüche, der auf die Fußballerinnen einprasselte, erfreute sich Fußball unter Frauen einer großen Beliebtheit. Diese Entwicklung konnte auch der DFB nicht mehr aufhalten, so dass 1974 der erste offizielle deutsche Meister im Frauenfußball gekürt wurde. Daraufhin folgte 1980 die Einführung des DFB-Pokals und ab 1990 die Bundesliga – damals noch zweigleisig. Das erste offizielle Länderspiel der Frauen fand schließlich 1982 gegen die Schweiz statt.

In den 1980er Jahren emanzipierte sich der Frauenfußball immer mehr, auch international. Es gründeten sich weltweit nicht nur die ersten nationalen Verbände und Ligen, es wurden auch die ersten internationalen Wettbewerbe veranstaltet. Hongkong war bereits 1975 Austragungsort der ersten Asienmeisterschaften, an denen sechs Nationen teilnahmen. 16 Mannschaften waren dagegen 1984 bei der ersten Europameisterschaft der Frauen dabei, die Schweden für sich entscheiden konnte. Bis 1991 konnten alle Kontinente der Welt eigene Turniere oder Ligen vorweisen. Nur eine Weltmeisterschaft fehlte noch.

Die erste Weltmeisterschaft und die Angst vor herausfallenden Eierstöcken

Die Befürworter einer eigenen Weltmeisterschaft für die Frauen wurden immer lauter und stießen bei FIFA-Präsident Joao Havelange sogar auf offene Ohren. Die FIFA wollte jedoch kein Risiko eingehen, weshalb sie zuerst ein Einladungsturnier, einen Testlauf sozusagen, ausrichten ließ. Das Turnier 1988 in China, an dem zwölf Mannschaften teilnahmen und aus dem Norwegen als Sieger hervorging, war zur Überraschung vieler ein voller Erfolg.

Als Ausrichter des „1st FIFA World Championship for Women’s Football for the M&M Cup“ – Schuld an diesem sperrigen Namen war der Süßigkeitenhersteller und Hauptsponsor Mars Inc. – wurde abermals China ausgewählt. Doch wieso fiel die Wahl wieder auf China? Das hatte zum einen den Grund, dass China in Sachen Frauenfußball sehr ambitioniert und tonangebend in Asien war. Ausschlaggebender mag jedoch die anstehende Olympia-Bewerbung für die Sommerspiele 2000 gewesen sein. Um das IOC zu beeindrucken, versprachen die Organisatoren hohe Zuschauerzahlen und eine dementsprechende Stimmung. Mit durchschnittlich 19.000 Zuschauern pro Spiel erfüllten sie jegliche an sich selbst gestellte Erwartungen, auch wenn ein großer Teil dieser „Fans“ FabrikarbeiterInnen waren.

Am 16.11.1991 war es nun endlich soweit: in Guangzhou fand das Eröffnungsspiel zwischen Norwegen und Gastgeber China vor rund 65.000 Zuschauern statt. Gespielt wurde zweimal 40 Minuten, was nicht bei allen Spielerinnen gut ankam. So kommentierte April Heinreichs, Kapitänin der US-Mannschaft:

„Sie hatten Angst, dass unsere Eierstöcke herausfallen würden, wenn wir 90 Minuten spielen.“

Die USA wurden dann auch die ersten Weltmeister in der Geschichte des Frauenfußballs, als sie sich im Finale vor ca. 65.000 Zuschauern gegen Norwegen durchsetzten. Der große Erfolg des „M&M Cups“ war übrigens ein erheblicher Grund für die Aufnahme von Frauenfußball in das Programm der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta – 88 Jahre nach den Männern. Die Weltmeisterschaft 1995 in Schweden, diesmal auch unter dem bis heute bekannten Titel „FIFA Women’s World Cup“, fungierte folgerichtig auch als Qualifikationsturnier für das Turnier in Atlanta.

„Let’s Get Loud“ in den USA

Während die Zuschauerzahlen aus diversen Gründen bei der WM 1995 rückläufig waren, stellte das Turnier 1999 in den USA einen Wendepunkt in der Geschichte der Frauen-Fußballweltmeisterschaften dar. Die Voraussetzungen für einen vollen Erfolg stimmten von Anfang an. Der Frauenfußball in den USA war nach dem Olympia-Triumph der US-Mannschaft in Atlanta auf dem Höhepunkt. Außerdem entschied man sich, die Spiele in Stadien zu verlegen, die mit einer Kapazität von bis zu 80.000 Zuschauern überdurchschnittlich waren im Vergleich zum letzten Austragungsort Schweden. Dieses Risiko zahlte sich aus. So viele Menschen wie nie zuvor schauten sich die Spiele im Stadion – im Durchschnitt 37.000 Zuschauer – und auch im Fernsehen an. Der Titelgewinn der USA war das perfekte Ende eines Finales, welches bis heute den Rekord für die höchsten Einschaltquoten eines Frauenfußballspiels hält. Die US-Spielerinnen wurden für eine ganze Generation junger Mädchen zu Vorbildern, athletische und starke Frauenkörper waren für einen kurzen Moment nicht mehr verpönt. Verewigt wurde diese Fußballparty außerdem im dem Musikvideo zu Jennifer Lopez‘ Welthit „Let’s Get Loud“.

Nach Deutschland 2003 und 2007 sowie Japan 2011 erkämpfte sich das US-Team 2015 den WM-Titel zurück. Das Finale zwischen den USA und Japan war das meistgesehene Fußballspiel in den USA und erreichte mit einer Quote von 23 Millionen sogar mehr Zuschauer als die damaligen NBA Finals sowie der Stanley Cup. Weltweit verfolgten 750 Millionen Menschen das Turnier vor ihren Fernsehern.

Kampf für mehr Gerechtigkeit

Die immer größer werdende Beliebtheit des Frauenfußballs ermutigte viele Spielerinnen, um mehr Geld, aber vor allem um mehr Anerkennung zu kämpfen. Dies wurde schon im Vorfeld der WM 2015 deutlich, als eine Reihe von internationalen Spielerinnen die Turnierleitung heftig dafür kritisierten, anstatt eines Rasenplatzes – wie bei den Männern üblich – einen Kunstrasenplatz einzusetzen. Sie erwägten sogar einen Boykott, die FIFA erwies sich jedoch als ein zu mächtiger Gegner. Doch vor allem die US-Spielerinnen gaben nicht auf und drohten nach der WM mit einem Streik, sollten sie nicht das gleiche bezahlt bekommen wie die Männer, deren bestes Ergebnis bisher das Halbfinale bei der WM 1930 war.

Ähnliche Bestrebungen sowie Streiks von Spielerinnen gab es auch in Dänemark, die deswegen sogar ein WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden ausfallen ließen. Die EM-Finalistinnen erreichten so eine Gehaltserhöhung um 60 Prozent, sobald sie sich für ein großes Turnier qualifizierten. Der norwegische Verband ging sogar noch einen Schritt weiter. Die Nationalmannschaften der Frauen und Männern erhalten nämlich seit diesem Jahr nicht nur die gleichen Prämien, mit Lise Klaveness wurde weltweit die erste Frau zur Chefin einer männlichen Nationalmannschaft berufen. Davon sind die Argentinierinnen leider weit entfernt. Sie kämpfen derzeit noch für gleichberechtigte Trainings- und Reisebedingungen, von einer gerechten Bezahlung mal ganz abgesehen. Und Deutschland? Die deutschen Damen hätten im Fall eines Titelgewinns 2015 65.000 Euro pro Spielerin bekommen, die Männer 2018 dagegen 350.000 Euro (2014: 300.000 Euro). Für den Titelgewinn bei der EM letztes Jahr hätte der DFB sogar nur 37.500 Euro an die Frauen gezahlt. Erst ab Erreichen des Halbfinals hätten sie überhaupt nur eine Prämie bekommen.

„Kampf“ der FIFA für den Frauenfußball

Doch wie hält es die FIFA mit dem Preisgeld? Hier ein paar Fakten: Während die Herren-Nationalmannschaft Frankreichs 38 Millionen US-Dollar für ihren WM-Titel dieses Jahr bekamen, zahlte die FIFA 2015 eine Prämie in Höhe von zwei Millionen US-Dollar an die US-Damen aus. Insgesamt verteilte die FIFA bei der WM 2018 Prämien in Höhe von 400 Millionen US-Dollar an alle Teams. Das heißt, jedes Team hatte nur für die Teilnahme eine Prämie von acht Millionen US-Dollar sicher.

Nach ihrer Council-Sitzung in Ruanda Anfang November verkündete Präsident Gianni Infantino jedoch stolz, dass die FIFA im Zuge ihrer neuen Frauenfußball-Strategie das Preisgeld für die kommende Weltmeisterschaft der Frauen 2019 in Frankreich deutlich erhöht hätte. Anstatt 15 Millionen US-Dollar wie bisher werde das Preisgeld verdoppelt. Nächstes Jahr werden nun also 30 Millionen US-Dollar ausgezahlt, erstmals auch an alle 24 teilnehmenden Mannschaften. Der zukünftige Weltmeister erhält dann also vier Millionen US-Dollar. Außerdem werden nun zum ersten Mal zusätzliche 20 Millionen US-Dollar für die Teams zur Verfügung gestellt, um die Vorbereitungs- sowie Reisekosten (11,5 Mio. US-Dollar) zu decken und die Clubs für die Abstellung ihrer Spielerinnen (8,5 Mio. US-Dollar) zu kompensieren. Allein für letzteren Zweck erhalten die Clubs bei den Männern 209 Millionen US-Dollar.

Die Spielervereinigung FIFPro hatte dagegen nicht so recht Lust, in die Lobhudelei für die FIFA mit einzusteigen. Ihrer Meinung nach vergrößere sich der Lohnunterschied sogar, da die FIFA das Preisgeld für die Männer für die WM 2022 auf 440 Millionen US-Dollar erhöhe. Spielervereinigungen aus Australien, den USA, Norwegen sowie Schweden und Neuseeland übten ebenfalls heftige Kritik. Der Einsatz der FIFA für den Frauenfußball sei halbherzig und reiche bei weitem nicht aus.

Die FIFA räumt den Damen-Teams nun auch Privilegien ein, die die Herren schon seit jeher genießen durften. So bezahlt die FIFA ab der WM 2019 zwar nun auch Business Class-Flüge für die Spielerinnen und BetreuerInnen, jedoch nur, wenn die Anreisezeit mehr als vier Stunden beträgt. Bei den Herren bekommen im Vergleich alle Mannschaften sowie bis zu 50 Personen des Betreuerpersonals die Business Class gesponsert. Egal, ob sie nur eine Stunde oder eine halbe Weltreise bis zum Austragungsort brauchen. Apropos Austragungsort, die Hotelunterbringung an Spieltagen wurde ebenfalls angepasst. War es bisher so, dass die gegnerischen Frauen-Teams am Vorabend der Partie im selben Hotel übernachten mussten, sieht das ab der WM 2019 anders aus. Von nun an werden sie, wie bei den Herren üblich, in verschiedenen Hotels untergebracht. All diese Änderungen, Preisgelderhöhungen und Anpassungen sind jedoch nichts wert, wenn kaum jemand weiß, dass nächstes Jahr überhaupt eine WM ausgetragen wird.

WM 2019? Welche WM 2019?

Die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Frankreich findet vom 07. Juni bis 07. Juli statt, doch möchte man diese und mehr Infos auf der Homepage der FIFA in Erfahrung bringen, muss man lange suchen. Nicht nur, dass die FIFA während der Herren-WM in Russland kaum Werbung für die WM 2019 betrieben hat, selbst auf deren FIFA.com-Startseite lassen sich auf den ersten Blick kaum Hinweise auf das Turnier finden. Unter dem Reiter „FIFA Fußball-WM“ wird noch auf die Seite der Herren-WM in Russland verlinkt. Bisher ist auch noch nicht geklärt, ob der Videobeweis nächstes Jahr zum Einsatz kommt oder nicht. Die FIFA deutete schon an, dass es wahrscheinlich nicht möglich sei, die Schiedsrichterinnen rechtzeitig bis zur WM nächstes Jahr zu schulen. Dieses Argument wollen viele Spielerinnen und TrainerInnen verständlicherweise nicht gelten lassen und würden das Weglassen des VAR als weitere Diskriminierung des Frauenfußballs begreifen.

Das Finale des Copa America und des Gold Cup finden übrigens auch am 07. Juli 2019, dem Tag des WM-Finales, statt. So viel zum Thema Wertschätzung durch die FIFA.

News, News, News!

Hier die aktuellen Nachrichten aus Sport und Politik. Mit dabei diesmal die Weltmeisterschaften im Gewichtheben und Schach, die Basketballerinnen der WNBA sowie Turnen und Doping.

Schach: Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana

Freitag begann die Schach-Weltmeisterschaft zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und dem Herausforderer Fabiano Caruana in London. Seit 1990 ist es das erste Mal, dass die Nummer 1 und 2 der Weltrangliste aufeinander treffen. Caruana könnte Carlsen im Laufe der WM sogar einholen und erstmals die Nummer 1 der Welt werden. Beide trennen nur drei Punkte. Der SPIEGEL hat beide Kontrahenten ausführlich porträtiert. 

Basketball: WNBA-Spielerinnen wollen neu verhandeln

Die Spielerinnenvereinigung der US-amerikanischen Basketballliga WNBA hat bekannt gegeben, frühzeitig aus dem nach der Saison 2019 endenden CBA (Collective Bargaining Agreement) auszutreten. Dieser CBA bestimmt darüber, zu welchen Anteilen die Spielerinnen an den Erlösen der WNBA beteiligt werden. Denn während die WNBA als die beste Frauen-Basketballliga der Welt gilt, bekommen die Spielerinnen nur rund zwanzig Prozent der WNBA-Erlöse ausgezahlt. Zum Vergleich: in der NBA sind es rund fünfzig Prozent. Die Spielerinnen hoffen, so für höhere Gehälter sowie bessere Spiel- und Reisebedingungen kämpfen zu können.

Die WNBA ist noch eine relativ junge Liga, die erste Saison wurde 1997 ausgetragen. Wie in der NBA gibt es auch hier eine Gehaltsobergrenze, die aber nicht 110.000 US-Dollar überschreiten darf. Im Durchschnitt verdienen die Spielerinnen rund 71.000 US-Dollar. Dies ist auch der Grund, weshalb viele Spielerinnen in der Off-Season in den lukrativeren europäischen und asiatischen Ligen spielen. Auch hier im Vergleich zu der NBA: das Mindestgehalt eines NBA-Spielers beträgt circa 580.000 US-Dollar. Sogar die Schiedsrichter verdienen in der NBA mehr als die bestbezahlteste Spielerin der WNBA: 150.000 US-Dollar.

Gewichtheben: WM in Ashgabat in vollem Gange

Bis gestern maßen sich in Ashgabat / Turkmenistan die besten GewichtheberInnen der Welt. Nach neun Wettkampftagen führen die Chinesen wenig überraschend den Medaillenspiegel an. Zudem fielen bisher eine Reihe von Weltrekorden, was aber damit zu erklären ist, dass der IWF im Vorfeld die Gewichtsklassen neu einteilte und alle alten Weltrekorde annullieren ließ. Für Deutschland sind elf Athleten und Athletinnen am Start. Darunter auch der amtierende Europameister Nico Müller, der in neuen Gewichtsklasse bis 81 kg den siebten Platz belegte.

Mehr als 70 GewichtheberInnen wurden im Vorfeld jedoch von den Wettkämpfen ausgeschlossen, da sie ihre Aufenthaltsorte nicht korrekt in das ADAMS-System der WADA eintrugen. Einzige Ausnahme: vier Gewichtheber aus dem Gastland, die trotz ADAMS-Verfehlungen teilnehmen dürfen. Diese Entscheidung sorgte für Unruhe innerhalb des Weltverbandes IWF, da aufgrund der großen Dopingproblematik im Gewichtheben immer noch der Olympia-Ausschluss im Raum steht.

Apropos Doping, mit Saeid Mohammadpour (Iran), Siripuch Gulnoi (Thailand) und Denis Ulanov (Kasachstan) erhielten drei Athleten und Athletinnen nachträglich ihre Medaillen der Olympischen Spiele 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro. Überreicht wurden diese in gesonderten Medaillenzeremonien. Besonders der Fall Mohammadpour macht deutlich, wie groß das Thema Doping im Gewichtheben ist. Der Iraner belegte 2012 ursprünglich den fünften Platz in der 94kg-Gewichtsklasse und rückte auf den ersten Rang vor, nachdem sechs der ersten sieben Finalisten bei Nachtests des Dopings überführt wurden. Südkoreas Kim Min-jae, eigentlich damals Achter, bekam die Silbermedaille zugesprochen, während Tomasz Zieliński, momentan ebenfalls wegen Dopings gesperrt, die Bronzemedaille erhält.

Schwimmen: Dopingsperre für Filippo Magnini

Der vierfache Weltmeister Filippo Magnini wurde wegen versuchten Dopings für vier Jahre gesperrt. Er soll versucht haben, Dopingmittel beim Sportarzt Guido Porcellini zu erwerben. Magnini streitet dies allerdings ab und wird das Urteil anfechten. Die 1.200 Euro, die er ihm nachweislich überwiesen hatte, sollen nur für Trockenpilze bestimmt gewesen sein. Bei diesem Rechtstreit geht es jedoch vor allem um Magninis guten Ruf, denn er trat bereits Ende letzten Jahres vom Leistungssport zurück. Sein Staffelkollege Michele Santucci wurde für das gleiche Vergehen ebenfalls für vier Jahre aus dem Verkehr gezogen.

Turnen: Schwerwiegende Konsequenzen für US-Turnverband

Nach einer sehr erfolgreichen WM für die US-TurnerInnen nun der Paukenschlag am Montagabend. Dem US-Turnverband droht, den Status als Dachverband zu verlieren. Das veröffentlichte das Nationale Olympische Komitee der USA (kurz: USOC) in einem öffentlichen Brief. Dieser Schritt ist quasi gleichbedeutend mit der Auflösung des Verbandes, dessen Aufgaben dann in die Verantwortung des USOC fallen würden. Das USOC zieht damit die Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal um Larry Nassar und dessen schlechte Aufarbeitung durch USA Gymnastics. Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass auch das USOC aufgrund seiner Rolle im Nassar-Fall in scharfe Kritik geriet. Mehrere Turnerinnen geben nämlich an, die USOC-Führung schon vor Jahren vom Missbrauch durch den ehemaligen Mannschaftsarzt in Kenntnis gesetzt zu haben – ohne Erfolg.

Boxen: Bleibt Manuel Charr Weltmeister?

Eigentlich schien alles klar: Manuel Charr sollte wegen eines positiven Dopingtests der Weltmeistertitel im Schwergewicht aberkannt werden. Doch aufgrund von Verfahrensfehlern auf Seiten der VADA (Voluntary Anti-Doping Association) folgt nun wohl der Freispruch für Charr. Zwar fand man in dessen Dopingprobe vom August die Steroide Drostanolon und Epitrenbolon, Charr und seine Begleiter waren jedoch entgegen der Regularien nicht bei der Öffnung der B-Probe anwesend. Außerdem, so heißt es, war das Labor, das seine Probe kontrollierte, nicht offiziell akkreditiert.

Skispringen: Girls Can Jump

Die Olympischen Winterspiele von Pyeongchang sind nun seit mehr als einer Woche vorbei und die deutschen Skispringer und Skispringerinnen dürften mit großem Wohlwollen auf die zwei Wochen in Südkorea zurückblicken. Neben Andreas Wellinger mit einmal Gold und zweimal Silber glänzte auch Katharina Althaus mit ihrer Leistung von der Normalschanze, für die sie die Silbermedaille errang. Doch während sich die Herren in drei Wettbewerben beweisen konnten, blieb für die Damen nur der Wettbewerb auf der Normalschanze. Deswegen ist es nicht überraschend, dass die Forderungen nach mehr Wettbewerben auf Seiten der Frauen immer lauter werden.

Im Gegensatz zum Damen-Skispringen kann das Herren-Skispringen auf eine lange Tradition bei Olympischen Spielen zurückblicken. Bis 2014 war es neben der Nordischen Kombination sogar der einzig verbleibende reine Männer-Wettbewerb bei den Winter-spielen. Wie kam es also, dass die Skispringerinnen so lange auf ihre erste Olympia-Teilnahme (Sotschi 2014) warten mussten? Um diese Entwicklung zu verstehen, muss die Geschichte des (Damen-)Skispringens sowie die Rolle der Frau im Sport genauer betrachtet werden.

Deshalb zuerst ein paar allgemeine Fakten: Seinen Ursprung hat Ski-springen in Norwegen. Dort fand 1808 der erste aufgezeichnete Skisprung statt, als der Soldat Olaf Rye knapp 9,50 Meter weit von einem aufge-schütteten Schneehügel sprang. Skispringen war damals noch Teil eines Hindernislaufs – also Skilanglauf mit Sprunghindernissen – ab den 1860er Jahren wurden jedoch die ersten eigen-ständigen Wettbewerbe von den Schanzen ausgetragen. 1862 wagte schließlich zum ersten Mal mit der Norwegerin Ingrid Olsdatter Vestby auch eine Frau den Sprung von einer Skischanze. Bis Ende des 19. Jahrhunderts zogen diese ersten Wettkämpfe, an denen sogar regelmäßig Frauen teilnahmen, tausende Zuschauer in Norwegen, aber ebenso in anderen Teilen Europas, an. Europäische Einwanderer sorgten zudem dafür, dass sich der Skisport auch in den USA und Kanada etablieren konnte und dort eine gewisse Beliebtheit erlangte.

Männersache Skispringen

Speziell in Norwegen entwickelte sich der Skisport im Allgemeinen und Skispringen im Besonderen zur Männersache. Skispringen mache Jungs zu Männern, zeuge von Stärke, Männlichkeit sowie Härte und diene nicht nur der Perfektion des Körpers, sondern auch der Seele. Diese weit verbreitete Denkweise plus die zunehmende Professionalisierung des Wettkampfs durch Regularien und Schiedsrichter führte Anfang des 20. Jahrhunderts schrittweise zum Ausschluss der Springerinnen vom Wettkampfgeschehen. Es war aber auch nicht so, als ob Damen-Skispringen bis dahin im Mittelpunkt der männlich-dominierten Sportberichterstattung stand: die Sportlerinnen hatten mit einem Image zu kämpfen, das sie als unästhetisch, nicht ladylike und unmoralisch portraitierte. Allerdings hatten Frauen zu dieser Zeit sowieso einen schweren Stand im Sport.

Ein wesentlicher Grund war die damals weitverbreitete Weltanschauung des Vitalismus, auch bekannt als „Vital Energy Theory“. Diese Theorie besagte, dass Frauen mit weniger Lebensenergie als Männer geboren werden und sie diese knappen Energie-vorräte für die Pubertät, Menstruation sowie Fortpflanzung benötigen. Daher seien Bildung und Sport laut diesem patriarchalischen Rollenbild nicht erstrebenswert, da die Bestimmung einer Frau in Mutterschaft und Ehe liege. Außerdem wäre Sport körperlich und mental zu anstrengend, Frauen müssten unbedingt vor Verletzungen bewahrt werden. Besonders im Skispringen wurde die „Vital Energy Theory“ immer wieder von Medizinern herangezogen, um Frauen von der professionellen Ausübung dieser Sportart abzuhalten. Traf auch noch der Fall zu, dass Frauen vorher Kinder zur Welt gebracht hatten, war erstrecht vom Springen abzuraten. Der abstruse Grund: Durch die verringerten Energievorräte aufgrund der Anstrengung der Geburt würden die Muskeln geschwächt, die die Gebärmutter stützen. Die Sorge der männlichen Verantwortlichen über eine herausfallende Gebärmutter bei der Landung war einfach zu groß.

Alles außer Skispringen, bitte!

Das heißt aber nicht, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus keine ambitionierten Skispringerinnen gab. Obwohl die „fliegende Gräfin“ Paula von Lamberg in den 1910er Jahren oder die Norwegerinnen Johanne Kolstad und Hilda Braskerud in den Dreißigerjahren mindestens so weit sprangen wie ihre männlichen Kollegen, durften sie nur als Vorspringerinnen oder Pausen-unterhaltung im Begleitprogramm an deren Wettkämpfen teilnehmen. Als Zuschauerinnen oder Verantwortliche für die Pausenverpflegung waren sie jedoch gerne gesehen. Selbst in den 1920er und 1930er Jahren, als Frauen mehr und mehr Fuß in der Sportwelt fassten, konnte das Damen-Skispringen nicht davon profitieren. Zwar wurde jeder Frau das Sporttreiben zum Zweck der Gesundheitsförderung empfohlen, gemeint waren aber eher sogenannte Country Club-Sportarten wie Tennis, Gymnastik, Schwimmen, Golf oder Skilanglauf, die eher ruhig und „hübsch anzuschauen“ waren. Noch bis in die 1960er Jahre hinein wurde ernsthaft darüber debattiert, ob die Landung beim Skispringen eine Gefahr für die Fortpflanzungsorgane der Frau sei und zu Unfruchtbarkeit führen könne.

 „Eine Übersicht der Verletzungsdaten hat keine Beweise eines gesteigerten Risikos für akute oder chronische Schäden an den weiblichen Fortpflanzungsorganen ergeben […].“

Dies stellte die Medizinische Kommission des Internationalen Olympischen Komitees schließlich und schlussendlich im Jahr 2011 fest. Im selben Jahr wurde auch erstmals von der FIS ein Skisprung-Weltcup für die Damen veranstaltet, nachdem es bis in die späten 1990er Jahre hinein keine organisierten Damen-Wettkämpfe gab. Nur zwei engagierten Vätern ist es zu verdanken, dass von 1999 bis 2011 der Ladies Grand Prix auf der unteren Stufe eines Continental Cups stattfand. 2009 war es dann endlich so weit, die Springer-innen feierten ihre Premiere bei der 47. Nordischen Skiweltmeisterschaft im tschechischen Liberec.

Absage des IOC

Doch trotz eigenen Weltcups und WM-Teilnahme lehnte das IOC 2006 die Aufnahme des Damen-Skispringens ins Programm der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver ab. Daran änderte auch 2009 die Klage vorm British Columbia Supreme Court von aktiven und ehemaligen Springerinnen aus fünf Nationen nichts. Die Begründung des IOC war nieder-schmetternd. Die Absage an die Springerinnen hätte nichts mit sexueller Diskriminierung zu tun, es würde einfach die sportliche Breite fehlen – zu wenige Teilnehmerinnen aus zu wenigen Nationen. Dabei traten 2006 83 Frauen aus 14 Nationen im Continental Cup an. Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund, dass zur gleichen Zeit Skicross in das Programm der Spiele in Vancouver aufgenommen wurde, deren Damen-Weltcup damals aus 30 Frauen aus 10 Nationen bestand. Grund hierfür war eine Regelung, die das IOC 1996 verabschiedete, und welche besagte, dass jede neue Sportart ab 1991 Frauen- und Männerwettbewerbe enthalten muss. Damen-Skispringen galt nur leider nicht mehr als neue Sportart, da Herren-Skispringen bereits seit 1924 olympisch war. Zwar sind zwei bereits ausgetragene Weltmeisterschaften und der Weltcup-Status ebenfalls Bedingungen für die Aufnahme ins olympische Programm. Dabei ist das IOC allerdings sehr wohl in der Lage, Ausnahmen gelten zu lassen: So wurden diese Kriterien für die Aufnahme des Marathon der Frauen 1984 oder den Skilanglauf der Frauen 1952 nicht berücksichtigt.

Eine Frage stellt sich jedoch: Wieso gestand man den Skispringerinnen erst so spät eine WM (2009) und einen Weltcup (2011-12) zu, wenn sie bereits 1998 offiziell an Junioren-Weltmeisterschaften teilnehmen durften? Die männlich-dominierte Fédération Internationale de Ski (FIS) erweckte den Eindruck, als ob sie die Entscheidungen über weitere Wettbewerbe über Jahre hinweg hinausgezögert hätten. Dies könnte unter anderem an altbekannten medizinischen Vorurteilen liegen, wie einige Aussagen von ranghohen Offiziellen nahe legen. So sagte Gian Franco Kasper, seinerseits seit 1998 FIS-Präsident, im Jahr 1997, dass “der Uterus der Springerinnen bei der Landung platzen” könne. 2005 sorgte er sich öffentlich um die Gesundheit der Springerinnen, als er bezweifelte, ob rund eintausend Landungen im Jahr aus einer Höhe von ca. zwei Metern medizinisch angebracht wären für den weiblichen Körper. Andere Offizielle machten sich Gedanken über die Knochen- sowie Kniestruktur der Frauen, die angeblich fragiler wäre und deshalb leichter bei der Landung brechen könne. Auch die mentale Beschaffenheit der Springerinnen war ein Thema. Zu nervenschwach wären die Sportlerinnen, um von einer größeren Schanze als der Normalschanze zu springen. Zweifel am Leistungsvermögen waren ebenfalls weit verbreitet. Torbjorn Yggeseth, bis 2004 Vorsitzender Skispringen bei der FIS, äußerte die Meinung, dass ein Großteil der „little girls“ eher den Hang herunter schlittern würden als wirklich zu springen. Und auch Gian-Franco Kasper war skeptisch ob der Sprungkraft der Frauen. Apropos Kasper, er war 2006 übrigens der Einzige, der in einem FIS-Vorentscheid gegen die Aufnahme des Damen-Skispringens in das olympische Programm stimmte – bei 114 Stimmen dafür.

Drohender Imageverlust?

Böse Zungen behaupten, dass die FIS die guten Leistungen der Frauen in Wirklichkeit als Bedrohung für die Männerdomäne Skispringen wahrnahm. Vor allem deren leichter Körperbau galt aus sportmedizinischer Sicht als Vorteil, da er unter anderem einen besseren Schwerpunkt und ein niedrigeres Gewicht vorweisen konnte. Dieser Gewichts-vorteil war jedoch nicht lange von Dauer. Denn Anfang des Jahrtausends wurde aufgrund der besorgniserregenden Gewichtsentwicklung der Herren ein Mindest-BMI (2011: 21) eingeführt, von dem die Länge der Ski abhängt. Geringes Körpergewicht war demnach nicht mehr das Zünglein an der Waage. Doch springen die Herren im Vergleich zu den Damen wirklich so viel weiter? Die Antwort lautet nein. Es stimmt zwar, dass die Anläufe der Springerinnen gewichtsbedingt länger sind, die Weiten ähneln sich jedoch sehr. Erstes Beispiel: Stefan Kraft entschied im März 2017 in Oslo den Weltcup am Holmenkollen mit zwei Sprüngen auf 130m und 132m für sich, Yuki Ito dagegen sprang auf derselben Schanze mit Sprüngen auf 130m und 124m zum Sieg. Zweites Beispiel: Die Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz stellte bereits 2003 einen Weltrekord von 200m auf der Skiflugschanze von Bad Mitterndorf auf und überwand somit die magische Grenze von 200m beim Skifliegen. Wenn also Frauen beim Skispringen die gleichen Leistungen wie Männer erbringen können, was würde dann noch vom männlichen Image des Skispringens als riskante und extreme Sportart übrig bleiben? Genau vor diesem Imageverlust soll sich die FIS gefürchtet haben.

Forderung nach mehr Wettkämpfen

Nichtsdestotrotz wurde das Damen-Skispringen 2011 dann schließlich doch vom IOC in das Programm für die Olympischen Winterspiele 2014 aufgenommen – jedoch nur mit einem Wettbewerb von der Normalschanze, den die Deutsche Carina Vogt für sich entscheiden konnte. Dies ist den Springerinnen bekanntlich zu wenig. Bereits letztes Jahr forderte Sarah Hendrickson, Weltmeisterin 2013 und Repräsentantin der FIS für Frauenskispringen, mehr Springen von der Großschanze, als sie im Deutschlandfunk sagte:

„Großschanze ist einfach für Zuschauer aufregender. Alle Frauen im Weltcup trainieren auf der Großschanze, es geht also nicht darum, dass wir das nicht können. Es geht einfach nur darum, dass sie es uns nicht erlauben. Ich glaube aber, wenn wir langsam mehr Großschanzen-Wettbewerbe bekommen, dann wird es auch mehr Zuschauer an den Fernsehbildschirmen geben und es wird mehr Begeisterung geben.“

Und auch der Bundestrainer der Frauen, Andreas Bauer, äußerte während der Olympischen Spiele 2018 in der Sportschau:

„Wir müssen uns für die nationalen Skiverbände interessant machen, um Gelder zu akquirieren. Das geht aber nur, wenn wir mehr Medaillen bei Großereignissen gewinnen können. Deshalb plädieren wir für einen zusätzlichen Großschanzenwettbewerb sowie für ein Teamspringen. Es gibt mittlerweile über zehn Nationen, die vier Springerinnen in den Wettkampf schicken, da soll es den Team-Wettbewerb auch geben.“

Der erste Teamwettbewerb fand in der Tat im Dezember 2017 in Hinterzarten (Deutschland) statt, zumindest auch der Mixed-Wettbewerb soll, wenn es nach der FIS geht, ab 2022 olympisch sein. Ferner gab Sarah Hendrickson im Deutschlandfunk zu bedenken, dass die Frauen nur ein Drittel von dem Preisgeld ausgezahlt bekommen, was die Männer verdienen, und im Vergleich außerdem weniger Wettkämpfe bestreiten dürfen. Tatsächlich liegt das Preisgeld für einen Sieg im Herren-Weltcup in der Saison 2017-18 bei 10.000 CHF, während die Frauen mit 3.000 CHF entlohnt werden. Und das bei zwölf Wettbewerben weniger.

Katharina Althaus | Quelle: Ailura; Lizenz: CC BY-SA 3.0 AT

„Vom Alter her wird’s noch gehen, dass ich das eventuell noch bei Olympia miterlebe. Wir werden dafür kämpfen und ich hoffe, das wird bald mal so weit sein“, antwortete Katharina Althaus während der Olympischen Spiele in Pyeongchang im Eurosport-Interview auf die Frage, ob sie noch einen Wettbewerb von der Großschanze bei Olympischen Spielen aktiv miterleben könnte. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist äußerst fraglich. Denn auch in der nächsten Weltcup-Saison stehen voraussichtlich nur jeweils ein Springen von der Großschanze sowie ein Team-wettbewerb auf dem Programm, bei der Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld finden dementsprechend nur der Wettbewerb von der Normalschanze und das Mixed statt. Und zumindest für die nächsten Winterspiele sind auf Seiten der FIS und des IOC weder Wettbewerbe von der Großschanze noch im Team geplant. Wann Frauen und Männer also letztendlich bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften die gleiche Anzahl an Skisprung-Wettbewerben bestreiten werden und somit gleichberechtigt sind, ist mehr als offen.

Doch scheint zumindest auch bald die letzte Bastion des Herren-Wintersports zu fallen: die Nordische Kombination. Bereits für die nächsten Olympischen Winterspiele 2022 in Peking beantragt die FIS die Aufnahme der Nordischen Kombination für Frauen ins Wettkampfprogramm, nachdem Ende Januar 2018 erstmals ein Damen-Continental Cup im norwegischen Rena stattfand.