News, News, News!

Hier die aktuellen Nachrichten aus Sport und Politik. Mit dabei diesmal die FIFA, Ringen sowie Turnen und vieles mehr.

Ringen: Der weltmeisterliche Frank Stäbler

Frank Stäbler 2012.

Noch bis Sonntag findet die Weltmeisterschaft im Ringen in Budapest statt. Gestern, am Freitagabend, schaffte der Deutsche Frank Stäbler dann Historisches: er wurde zum dritten Mal nach 2015 und 2017 Weltmeister. Und das in drei verschiedenen Gewichtsklassen. Dies ist vorher noch niemandem gelungen. Ansonsten sieht die Medaillenausbeute der deutschen Mannschaft bisher mau aus. Bis auf Frank Stäbler sind alle anderen Ringer früh ausgeschieden, darunter auch die Weltmeisterin von 2014, Aline Focken. Großes Aufsehen erregte außerdem das „Rematch oft he Century“, bei dem der Titelverteidiger in der 92kg-Klasse, Kyle Snyder aus den USA, auf den zweifachen Weltmeister und Olympiasieger Abdulrashid Sadulaev traf. Letzterer konnte seinen Weltmeistertitel zurück erobern, nachdem Snyder ihm nach einer fast dreijährigen Siegesserie letztes Jahr eine schmerzhafte Niederlage zufügte.

Fußball: die FIFA in Ruanda

Die letzten Tage fand das FIFA Council Meeting, bei dem die Mitglieder des höchsten Gremiums des Weltfußballverbands zusammenkommen, in Ruandas Hauptstadt Kigali statt. Im Mittelpunkt der Berichterstattung standen die Bemühungen von Präsident Gianni Infantino, diverse Wettbewerbe entweder zu reformieren oder sogar ganz neu einzuführen. Sollte ihm das gelingen, versprach eine Gruppe von bisher unbekannten Investoren eine Summe von rund 22 Milliarden Euro für genau diesen Zweck.

Gianni Infantino

Die UEFA ist von diesen Plänen allerdings alles andere als begeistert. Denn zum einen betrifft es die Nations League, ein Produkt der UEFA, die Infantino nun gerne weltweit alle zwei Jahre austragen möchte. Zum anderen möchte er die Klub-Weltmeisterschaft vom Winter in den Sommer verlegen und auf 24 Mannschaften aufstocken. Da die Meinungen dieses Thema betreffend aber so weit auseinander gehen, sagte man die Abstimmung darüber gestern ab. Stattdessen wurde eine Taskforce gegründet, die beim nächsten FIFA Council Meeting im März 2019 ihre Vorschläge vorstellen soll.

Des Weiteren beschloss die FIFA, die Prämien für die Frauenfußball-WM nächstes Jahr in Frankreich zu verdoppeln. Es werden nun rund insgesamt 26,3 Millionen Euro ausgezahlt, erstmals auch an alle 24 teilnehmenden Nationen. Zum Vergleich: die Herren-Nationalmannschaft Frankreichs bekam für ihren Weltmeistertitel 32,5 Millionen Euro. Dies beklagte auch die Spielervereinigung FIFPro. Es sei noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung im Fußball.

Wieso traf sich die FIFA eigentlich in Ruanda? Infantino spekulierte hier wohl mit einer geringeren Zahl an JournalistInnen. Außerdem ist der Präsident Ruandas, Paul Kagame, ein großer Fußballfan. So wurde im Sommer dieses Jahres bekannt, dass Ruanda von nun an Trikotsponsor vom FC Arsenal ist. Die Rede soll hier von einem Betrag in Höhe von rund 34 Millionen Euro sein. Besonders brisant macht diesen Deal, dass sich Ruanda größtenteils von Entwicklungsgeldern finanziert. Ein weiterer Punkt ist, dass nächstes Jahr die Präsidentschaftswahlen anstehen und Infantino besonders auf die Stimmen der afrikanischen Verbände zählen muss.

Kunstturnen: das Comeback der Simone Biles

Simone Biles

Vor zwei Tagen begann auch die Turn-WM in der katarischen Hauptstadt Doha. Alle Augen werden da natürlich auf die US-Amerikanerin Simone Biles gerichtet sein, die ihr internationales Comeback nach fast zwei Jahren Pause gibt. Biles ist das prominenteste Opfer vom US-Teamarzt Larry Nassar, der Anfang des Jahres wegen sexuellen Missbrauchs in mehr als 300 Fällen zu mindestens 175 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Im Zuge des Missbrauchs-Skandals mussten auch mehrere hohe Offizielle des US-Sports ihren Hut nehmen. So wurde der ehemalige Geschäftsführer des US-Turnverbands letzte Woche verhaftet. Man wirft ihm Vertuschung und Verschleppung von Beweismitteln vor. Die unmittelbare Vorbereitung von Biles, die sich selbst als Überlebende bezeichnet, ist allerdings getrübt. Sie musste den Vorabend der Wettbewerbe wegen Nierensteine im Krankenhaus verbringen.

Die deutsche Mannschaft besteht aus jeweils sechs Athleten und Athletinnen, darunter Marcel Nguyen und Andreas Toba sowie Elisabeth Seitz und Kim Bui. Pauline Schäfer, Titelverteidigerin am Stufenbarren, verpasst die Wettkämpfe leider verletzungsbedingt. Eine Neuerung bringt die WM aber auch noch mit sich. Erstmals soll nämlich der Videobeweis zum Einsatz kommen. Waren bisher zwei Kampfrichter mit der Aufgabe betreut, den Schwierigkeitswert einer Übung zu ermitteln, übernimmt dies nun ein Computerprogramm.

Leider werden die Wettkämpfe nicht im deutschen Fernsehen übertragen, dafür aber auf sportschau.de und sportdeutschland.tv. Hier ist eine Übersicht.

Boxen: AIBA versinkt weiterhin im Chaos

Selbst die Drohung des Internationalen Olympischen Komitees, Boxen aus dem Programm der Spiele 2020 in Tokio zu nehmen, bringt keine Ruhe in den Box-Weltverband. Nachdem der langjährige Präsident Wu Ching-Kuo aus Taiwan wegen „Missmanagements“ lebenslang vom AIBA gesperrt wurde, steht bislang nur der Usbeke und bisherige Vize-Präsident Gafur Rachimow als Nachfolger zur Wahl. Einziges Problem: Rachimow wird von US-Behörden mit dem Handel von Heroin in seinem Heimatland in Verbindung gebracht. Er sei einer der führenden Kriminellen Usbekistans. Zwar gibt es in dem Kasachen Serik Konakbajew einen potenziellen Gegenkandidaten, dieser wurde aber aus unerfindlichen Gründen nicht fristgerecht auf die Kandidatenliste gesetzt. Dagegen geht dieser nun vorm CAS vor. Die Wahl findet am 3. November in Moskau statt.

Doping: Sperre für Johan Bruyneel

Auch in der Welt des Dopings gibt es Nachrichten. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) sperrte Johan Bruyneel, ehemaliger Teamchef von Lance Armstrong, lebenslang, nachdem er ursprünglich für zehn Jahre gesperrt war. Daraufhin veröffentlichte er auf Twitter einen offenen Brief, in dem er Reue für seine Taten zeigt, aber gleichzeitig auch die Rechtmäßigkeit des USADA-Urteils anzweifelt.

Das CAS sperrte im Zuge dessen auch den Teamarzt Pedro Celaya Lezama lebenslang und verlängerte die Sperre von Teamtrainer Jose Martí Martí von acht auf 15 Jahre. Teamarzt Luis Garcia del Moral bekam dagegen seine lebenslange Sperre reduziert, so dass er ab jetzt wieder am Radzirkus teilnehmen kann.

Leichtathletik: Heike Drechsler rehabilitiert

Heike Drechsler

Mithilfe eines Gutachtens kann die ehemalige Weitspringerin Heike Drechsler nun widerlegen, dass sie zur DDR-Zeit im Dienste der Stasi stand. Zwar ist sie als „IM Jump“ geführt worden, sie war jedoch nur ein sogenannter „Vorlauf-IM“. So unterschrieb sie weder eine Verpflichtungserklärung noch übermittelte sie Berichte an die Stasi. Die Dopingvorwürfe, mit denen sie immer wieder konfrontiert wird, bleiben davon jedoch unberührt.

Protest bei Olympia 1968: Eine Geste für die Ewigkeit

Die Nachricht von Tommie Smiths und John Carlos’ stillen Protest gegen Rassismus in den USA während der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko City ging um die Welt und stellte alles Sportliche in den Schatten. Noch 50 Jahre später ist dieser Moment unvergessen. Und dient einer aktuellen Generation von Athleten sowie Athletinnen in den USA als Vorbild.

Das Jahr 1968 war eine Zeit geprägt von Aufbruch und Protesten: Jugendbewegungen weltweit kämpften gegen das Establishment, die Niederschlagung des „Prager Frühling“ erschütterte die Tschechoslowakei und die Ermordung Martin Luther Kings sowie Robert Kennedys versetzte die Bürgerrechtsbewegung der USA in eine Schockstarre. Das IOC zeigte sich jedoch unbeeindruckt von all diesen Entwicklungen. Ganz nach dem Motto „Sport ist Sport, Politik ist Politik“ fand zehn Tage nach dem „Massaker von Tlatelolco“, bei dem bis zu 300 friedlich protestierende Studentinnen und Studenten durch das mexikanische Militär ermordet wurden, die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Mexiko City statt.

Vier Tage nach der Eröffnungsfeier, am 16. Oktober 1968, krönte sich Tommie Smith zum Olympiasieger über die 200m-Sprintstrecke, sein Teamkollege John Carlos gewann Bronze. Die Silbermedaille ging an den Australier Peter Norman. Während die Nationalhymne der USA bei der anschließenden Siegerehrung lief, reckten beide US-Läufer ihre mit einem schwarzen Handschuh bekleidete Faust in die Luft und senkten ihren Kopf.

In einem Fernsehinterview direkt nach der Siegerehrung erklärte Tommie Smith die symbolische Bedeutung ihres Protests: die rechte Faust Smiths stand für die Stärke der schwarzen Bewegung in den USA, die linke Faust Carlos‘ für deren Einheit. Der schwarze Schal, den Smith trug, symbolisierte seinen Stolz, wogegen die Socken ein Bild für die Armut der schwarzen Bevölkerung in den USA war. Besonders die Nutzung der Black Power-Symbole erregte die Gemüter der weißen Bevölkerung in den USA. Auch wenn Smith und Carlos mit dieser Bewegung sympathisierten, hatte die Nutzung ihrer Symbole doch eher opportunistische Gründe.

Denn was bis heute kaum einer weiß: die Geste in dieser Form war so gar nicht geplant. Allein der Vergesslichkeit von Carlos, der sein Paar Handschuhe im Olympischen Dorf liegen ließ, war es geschuldet, dass beide Sportler nur je eine Faust in den Himmel reckten. Es war Peter Normans rettende Idee, sich ein paar Handschuhe zu teilen. Und wer genau hinschaut, erkennt auch die Anstecknadeln des Olympic Project for Human Rights (OPHR) an den Jacken von Smith, Carlos und sogar Norman, der sich mit den beiden US-Sportlern solidarisch zeigte. Doch was war überhaupt das OPHR und in welchem Zusammenhang stand es zum Protest von Smith und Carlos?

Protest: ja. Aber wie?

Afro-amerikanische Athleten und Athletinnen hatten zu dieser Zeit die Wahl. Entweder schlossen sie sich irgendeiner Art von Protestbewegung an, sei es der Bürgerrechts- oder der Black Power-Bewegung, und riskierten ihre sportliche Karriere oder sie blieben stumm und provozierten damit negative Reaktionen politisch aktiver Sportler. Besonders an den Universitäten und Colleges fanden viele Proteste sowie Aktionen statt. Diese äußerten sich zum Beispiel in Form von Sit-ins oder Boykotts von nationalen Wettbewerben.

So auch an der San Jose State University, deren Studenten John Carlos und Tommie Smith waren. Gemeinsam mit dem Sportsoziologen Dr. Harry Edwards gründeten sie 1967 das OPHR, welches ursprünglich den Boykott der Olympischen Spiele in Mexiko City zum Ziel hatte. Außerdem forderten sie unter anderem die Rehabilitation Muhammad Alis und die Absetzung des umstrittenden IOC-Präsidenten Avery Brundage. Der ehemalige NOK-Chef der USA war in den 1930er Jahren berüchtigt für seine Begeisterung für die Nationalsozialisten und Adolf Hitler, woraus er aber auch keinen sonderlich großen Hehl machte.

Möglicher Boykott der Spiele

Obwohl das OPHR und dessen Boykott-Vorhaben so prominente Befürworter wie den Tennisspieler Arthur Ashe, den Baseballer Jackie Robinson und vor allem Martin Luther King hatte, konnte sich ein Boykott der Spiele unter den afro-amerikanischen Athleten und Athletinnen nicht durchsetzen. Viele sahen einfach keinen Sinn in so einer radikalen Aktion. Außerdem wollten sie nicht um deren Belohnung für all die harte Arbeit gebracht werden.

Die Aufmerksamkeit des IOC-Präsidenten Avery Brundage war ihnen nun jedoch sicher. Dieser war ob des Boykottaufrufs, aber auch wegen der Forderung des OPHR nach dessen Absetzung, hochgradig alarmiert. Brundage unternahm deshalb jeden Versuch, die Querulanten zum Schweigen zu bringen. So schickte er zum Beispiel während der Spiele den Olympiahelden von 1936, Jesse Owens, zu den Athleten, um ihnen mögliche Protestaktionen auszureden. Natürlich ohne Erfolg. Smith und Carlos entschieden sich gegen das Schweigen und für einen Protest – aller Drohgebaren Brundages zum Trotz.

(Un-)Erwartete Unterstützung

In den Tagen nach dem 16. Oktober 1968 erhielten Smith und Carlos Unterstützung von einem Großteil der US-amerikanischen Olympiamannschaft. Lee Evans, einer der Anführer des OPHR, musste von Smith und Carlos nach deren Olympia-Ausschluss überredet werden, an seinem Rennen über die 400 Meter teilzunehmen. Bei der Siegerehrung, an der er als Olympiasieger teilnahm, trug er sodann eine schwarze Baskenmütze – wohlwissend, dass diese ein Symbol der Black Panther Party war. Das Wetter sei schuld, antwortete er auf Nachfrage von Journalisten.

Unerwarteter Beistand kam dagegen aus dem Lager der Ruderer. Die Herren-Rudermannschaft der USA, deren Mitglieder allesamt weiß waren und in Harvard zur Universität gingen, veröffentlichte ein Statement zur Unterstützung Smiths und Carlos‘. Die afro-amerikanischen Leichtathletinnen um Wyomia Tyus widmeten ihre Medaillen ebenfalls John Carlos und Tommie Smith. Gleichzeitig äußerten sie ihren Missmut über die Tatsache, dass sie nicht in den Protest des OPHR einbezogen worden waren. Die männlich geprägte Boykott- und letztendlich auch die Bürgerrechtsbewegung schloss schwarze Frauen bzw. Athletinnen größtenteils aus.

Während ein Großteil der weißen US-Bevölkerung der Meinung war, dass Smith und Carlos die Olympischen Spiele für ihre Zwecke missbrauchen und die Nationalhymne entweihen würden, fühlten sich Studenten und Studentinnen an den vielen Universitäten der USA inspiriert, selbst Demonstrationen zu veranstalten oder bei Sportveranstaltungen die Geste von Smith und Carlos zu imitieren.

Nichts mehr so wie früher

Dennoch war für Tommie Smith, John Carlos und deren Familien nichts mehr wie es einmal war. Sie wurden auf Drängen von Avery Brundage von den Olympischen Spielen ausgeschlossen, durften aber trotz alledem ihre gewonnenen Medaillen behalten. Wieder zuhause angekommen, erhielten Smith und Carlos Morddrohungen, wurden von der Presse verunglimpft und hatten Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Smith beendete seine Leichtathletik-Karriere noch im selben Jahr, John Carlos hörte 1970 auf. Peter Norman, der in den Protest eingeweiht war, war bei seiner Rückkehr nach Australien ebenfalls heftiger Kritik ausgesetzt. 2012, sechs Jahre nach seinem Tod, bat das australische Parlament öffentlich um Entschuldigung für die ungerechte Behandlung sowie fehlende Anerkennung Normans.

Nach Jahren der Ablehnung und Demütigungen wandelte sich die Meinung der breiten Öffentlichkeit ins Positive. 2005 errichtete die San Jose State University schließlich eine Statue zu Ehren von Smith, Carlos und Norman. Auf Wunsch von Peter Norman blieb sein Platz auf dem Podest jedoch leer. So kann jeder Besucher, wenn der denn möchte, seine Solidarität zu Smith und Carlos sowie zur Bürgerrechtsbewegung ausdrücken. Denn das Thema Rassismus ist in den USA (und hierzulande) leider so aktuell wie eh und je.

Mehr Informationen:

John Carlos mit Dave Zirin: The John Carlos Story: The Sports Moment That Changed the World (2011: Haymarket Books)

Tommie Smith mit David Steele: Silent Gesture: The Autobiography of Tommie Smith (2008: Temple University Press)

Matt Norman: Salute (DVD, 2008)